HARDWARE-RATGEBER

Mainboard-Auswahl:
Sockel, Chipsatz und Formfaktor

Das Mainboard ist keine Komponente, die die Leistung unmittelbar steigert; es bestimmt jedoch, was das System zulässt. Welchen Prozessor Sie einsetzen können, wie viele Laufwerke Sie anschließen können und ob Sie später aufrüsten können, wird durch die Grenzen des Mainboards festgelegt. Deshalb kehrt der Ansatz "das Billigste reicht" meist ein Jahr später als erneute Ausgabe zurück.

1. Der Sockel: eine nicht verhandelbare Voraussetzung

Das erste und unbedingte Kriterium bei der Mainboard-Auswahl ist die Übereinstimmung mit dem Sockel Ihres Prozessors. Der Sockel ist die physische Schnittstelle, in der der Prozessor auf dem Mainboard sitzt; unterschiedliche Sockel passen nicht zueinander. Intel und AMD verwenden jeweils eigene Sockelfamilien; zudem können beide Hersteller den Sockel zwischen den Generationen wechseln.

Das entscheidende Detail ist: selbst wenn der Sockel identisch ist, ist die Kompatibilität nicht garantiert. Ein Mainboard mit demselben Sockel betreibt einen Prozessor der neuen Generation nur dann, wenn Chipsatz und BIOS-Version ihn unterstützen. Prüfen Sie deshalb vor dem Kauf auf der Produktseite des Herstellers die die Liste der unterstützten Prozessoren muss geprüft werden.

Die Falle beim BIOS-Update

Wenn Sie einen neu erschienenen Prozessor auf einem etwas älteren Mainboard einsetzen, startet das System möglicherweise gar nicht, weil das BIOS des Mainboards diesen Prozessor nicht kennt. Die Lösung ist ein BIOS-Update, doch um dieses durchzuführen, benötigen Sie in der Regel auf einen älteren unterstützten Prozessor erforderlich. Einige Mainboards verfügen über eine Funktion, mit der die Aktualisierung ohne Prozessor durchgeführt werden kann; wenn Sie einen Prozessor der neuen Generation kaufen, ist das Vorhandensein dieser Funktion ein erheblicher Vorteil.

2. Chipsatz: Was bestimmt er?

Der Chipsatz legt fest, welche Funktionen das Mainboard bietet. Für denselben Sockel gibt es in der Regel mehrere Chipsätze: Einstiegs-, Mittel- und Oberklasse.

Einstiegsklasse

Für die Grundnutzung ausreichend. Übertaktungsunterstützung und Anzahl der Steckplätze sind begrenzt.

Mittelklasse

Die ausgewogene Wahl für die meisten Nutzer. Ausreichend M.2- und PCIe-Steckplätze, angemessene Spannungswandlerstufen.

Oberklasse

Für alle, die leistungsstarke Prozessoren, umfangreiches Übertakten und schnelle Anbindung benötigen.

Wann ist es nicht erforderlich?

Wenn Sie nicht übertakten, nutzen Sie den Aufpreis für einen Chipsatz der Oberklasse nicht aus.

Der praktische Ansatz lautet: Wenn Sie nicht übertakten möchten und nur eine Grafikkarte einsetzen, ist ein Chipsatz der Mittelklasse fast immer die richtige Entscheidung.

3. Formfaktor: muss in Ihr Gehäuse passen

Das Gehäuse gibt in seinem Handbuch an, welche Formate es unterstützt. Ein großes Gehäuse nimmt ein kleines Mainboard auf, umgekehrt ist das nicht möglich. Diese beiden Komponenten beim Zusammenstellen eines Systems gemeinsam auszuwählen, verhindert einen späteren Rückgabevorgang; die vollständige Prüfliste in unserem Ratgeber zur Komponentenkompatibilität.

4. Die zu prüfenden Steckplätze

M.2-Steckplätze

Schnelle NVMe-Laufwerke werden in diese Steckplätze eingebaut. Achten Sie auf zwei Punkte: wie viele M.2-Steckplätze vorhanden sind und welche Geschwindigkeit diese unterstützen. Außerdem deaktiviert bei manchen Mainboards die Nutzung des M.2-Steckplatzes bestimmte SATA-Ports — wenn Sie ein System mit mehreren Laufwerken aufbauen, prüfen Sie dieses Detail im Handbuch. Bei der Wahl des Laufwerks den Unterschied zwischen SSD und mechanischer Festplatte in einem gesonderten Ratgeber haben wir verglichen.

RAM-Steckplätze

Ein Mainboard mit vier Steckplätzen bietet die Möglichkeit, später nachzurüsten. Bei Modellen mit zwei Steckplätzen bedeutet eine Aufrüstung, die vorhandenen Module zu entfernen und neue zu kaufen. Prüfen Sie außerdem die vom Mainboard unterstützte maximale Speicherkapazität und -geschwindigkeit; welche Steckplätze für den Dual-Channel-Betrieb die richtigen sind, steht im Handbuch. Einzelheiten in unserem RAM-Ratgeber.

Anschlüsse an der Rückseite

Es ist der Teil, der sich nach dem Einbau ins Gehäuse nur schwer ändern lässt. Prüfen Sie von Anfang an, ob genügend USB-Anschlüsse, bei Bedarf ein Hochgeschwindigkeitsanschluss, ein Bildausgang für die interne Grafik und ein Modul für die Drahtlosverbindung vorhanden sind.

5. Spannungswandler (VRM) und Kühlung

Die VRM ist der Bereich, der die Stromversorgung des Prozessors regelt, und wird, da er von außen nicht sichtbar ist, meist übersehen. Unzureichende oder ungekühlte Spannungswandler führen dazu, dass ein Prozessor mit hoher Leistungsaufnahme unter Last seinen Takt senkt. Das Mainboard steigert die Leistung also nicht direkt, aber kann verringern.

Wenn Sie einen Prozessor der Oberklasse kaufen, wählen Sie ein Mainboard mit deutlichen Kühlkörperblöcken im VRM-Bereich. Bei einem Einsteigerprozessor ist dieses Kriterium nicht entscheidend.

6. Berücksichtigen Sie Spielraum für spätere Aufrüstungen

Das Mainboard ist die am schwersten austauschbare Komponente: Es zu wechseln bedeutet, nahezu das gesamte System zu zerlegen. Wählen Sie es daher nicht nach Ihrem heutigen Bedarf, sondern nach Ihrer Planung für die nächsten zwei bis drei Jahre. Ein zusätzlicher M.2-Steckplatz oder zwei weitere RAM-Steckplätze mögen heute überflüssig erscheinen, machen eine spätere Aufrüstung jedoch deutlich günstiger.

Lassen Sie uns die Kompatibilität gemeinsam prüfen

Wir können die Kompatibilität Ihrer Kombination aus Prozessor, Arbeitsspeicher und Gehäuse mit dem Mainboard bereits vor dem Kauf prüfen. Gerade bei Prozessor-Mainboard-Kombinationen, die eine bestimmte BIOS-Version voraussetzen, verhindert dieses Wissen von Anfang an die Überraschung, dass das System beim Zusammenbau überhaupt nicht startet.

Bei unserem System-Zusammenbau-Service übergeben wir das Gerät betriebsbereit, einschließlich Montage, BIOS-Einstellungen, Aktivierung des Speicherprofils und Stabilitätstest.

Die Teile aus diesem Ratgeber erhalten Sie in unserem Shop

Häufig gestellte Fragen

Beeinflusst das Mainboard die Geschwindigkeit des Computers?
Es sorgt nicht unmittelbar für mehr Geschwindigkeit, erlaubt oder verhindert aber, dass die Komponenten ihr Potenzial ausschöpfen. Ein Mainboard mit unzureichenden Spannungswandlerstufen führt dazu, dass ein leistungsstarker Prozessor unter Last seine Geschwindigkeit senkt. In diesem Sinne hat es einen indirekten, aber realen Einfluss.
Funktioniert mein neuer Prozessor auf einem alten Mainboard?
Auch wenn der Sockel derselbe ist, funktioniert es nicht, wenn Chipsatz und BIOS-Version den Prozessor nicht unterstützen. Die Liste der unterstützten Prozessoren des Herstellers zu prüfen ist unerlässlich. In manchen Fällen ist ein BIOS-Update nötig, und dieses Update muss durchgeführt werden, solange noch ein älterer Prozessor eingebaut ist.
Ist ein mATX-Mainboard langsamer?
Nein, einen Leistungsunterschied gibt es nicht. Der Unterschied liegt in der Anzahl der Steckplätze: Es sind weniger RAM-Steckplätze, weniger PCIe-Steckplätze und manchmal weniger M.2-Anschlüsse vorhanden. Wenn Ihre Aufrüstpläne begrenzt sind, ist mATX völlig ausreichend und günstiger.
Reichen der Onboard-Sound und das Onboard-Netzwerk aus?
Für den Alltags- und Spielebetrieb reichen die integrierten Audio- und Netzwerklösungen moderner Mainboards aus. Wenn Sie professionell Audio produzieren, ist eine externe Lösung sinnvoll; auf der Netzwerkseite bestimmt die Frage, ob Sie ein WLAN-Modul wünschen, die Auswahl.

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