Was sind die tatsächlichen Symptome?
Nicht jeder langsamer werdende Rechner hat einen Virus; für Langsamkeit gibt es weitaus häufigere Ursachen, und wir haben sie in in einem gesonderten Ratgeber zusammengestellt. Anzeichen, die speziell auf Schadsoftware hindeuten, sind dagegen deutlicher:
Browser-Änderungen
Die Startseite oder Suchmaschine hat sich von selbst geändert und kehrt nach dem Entfernen wieder zurück.
Unerwartete Werbung
Pop-up-Fenster auf Seiten ohne Werbung, Benachrichtigungen, die auf dem Desktop erscheinen.
Programme, die Sie nicht kennen
Anwendungen, die Sie nicht installiert haben, Browser-Erweiterungen, die Sie nicht hinzugefügt haben.
Ständige Festplatten- und Netzwerkaktivität
Die Festplatte arbeitet und verbraucht Daten, obwohl Sie nichts tun.
Es gibt auch ernstere Anzeichen: das selbstständige Beenden oder das Nichtöffnen des Antivirenprogramms, das Blockieren des Task-Managers, das massenhafte Ändern von Dateiendungen und Benachrichtigungen zum Zurücksetzen von Passwörtern von Konten, die Sie nicht kennen. Der letzte Punkt ist besonders wichtig; er ist ein direkter Hinweis darauf, dass Ihre Daten nach außen gelangt sind.
Ransomware: Die ersten Schritte sind entscheidend
Wenn sich die Dateiendungen geändert haben, die Dateien sich nicht öffnen lassen und auf dem Bildschirm eine Nachricht eine Zahlung fordert, handelt es sich um Ransomware. In diesem Fall bestimmen Ihre ersten Handlungen das Ergebnis:
- Trennen Sie das Gerät vom Netzwerk. Ziehen Sie das Ethernet-Kabel ab und schalten Sie Wi-Fi aus. Ransomware breitet sich auf andere Geräte im Netzwerk und auf angeschlossene Speichereinheiten aus. Dies ist der dringendste Schritt.
- Trennen Sie externe Festplatten. Wenn Ihre Sicherungsfestplatte angeschlossen ist, trennen Sie sie sofort; solange sie nicht verschlüsselt ist, kann sie noch gerettet werden.
- Fahren Sie das Gerät nicht herunter und starten Sie es nicht neu. Bei einigen Arten kann sich der Verschlüsselungsschlüssel im Arbeitsspeicher befinden; das Ausschalten beseitigt diese Möglichkeit.
- Zahlen Sie nicht. Es gibt keine Garantie, die Dateien zurückzuerhalten, und eine Zahlung nährt dieses Ökosystem.
- Benennen Sie die Dateien nicht um und probieren Sie keine beliebigen Entschlüsselungswerkzeuge aus; das falsche Werkzeug kann dauerhaften Schaden anrichten.
Bewahren Sie einen Screenshot der Lösegeldforderung sowie ein Beispiel einer verschlüsselten Datei auf; diese werden benötigt, um die Art der Schadsoftware zu bestimmen. Für einige Familien gibt es kostenlose Entschlüsselungswerkzeuge, die von Sicherheitsfirmen veröffentlicht wurden.
Sichere Reihenfolge der Bereinigung
1. Trennen Sie die Netzwerkverbindung
Das Gerät vor Beginn der Bereinigung vom Netzwerk zu trennen, verhindert, dass die Schadsoftware nach außen kommuniziert und weitere Komponenten herunterlädt.
2. Ändern Sie Ihre Passwörter von einem anderen Gerät aus
Führen Sie diesen Schritt vor der Bereinigung durch und verwenden Sie unbedingt ein sauberes GerätEin Passwort von einem infizierten Computer aus zu ändern bedeutet, auch das neue Passwort preiszugeben. Die Reihenfolge der Priorität lautet: E-Mail, Bankgeschäfte, soziale Medien.
3. Führen Sie einen Scan im abgesicherten Modus durch
Wenn Sie Windows im abgesicherten Modus starten, werden nur die grundlegenden Komponenten geladen; das erschwert es der Schadsoftware, sich selbst zu schützen. Ein vollständiger Systemscan arbeitet in diesem Modus wirksamer.
4. Prüfen Sie die installierten Programme
Sortieren Sie die Liste unter Einstellungen → Apps nach dem Installationsdatum. Ihnen unbekannte Anwendungen, die um den Zeitpunkt des Problembeginns installiert wurden, sind starke Kandidaten. Zusatzsoftware, die beim Herunterladen kostenloser Programme unbeabsichtigt installiert wurde, kommt auf diese Weise zum Vorschein.
5. Browser-Erweiterungen bereinigen
Bei browserbedingten Problemen sind Erweiterungen meist die eigentliche Ursache. Entfernen Sie alle Erweiterungen, die Sie nicht kennen, und setzen Sie die Browsereinstellungen zurück. Stellen Sie sicher, dass die Einstellungen für Startseite und Suchmaschine nicht zurückkehren.
6. Prüfen Sie die Tastenkombinationen
Eine häufig verwendete Methode besteht darin, dem Ziel der Browserverknüpfung eine zusätzliche Adresse hinzuzufügen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Verknüpfung und sehen Sie sich deren Eigenschaften an; steht in der Zielzeile nach dem Programmpfad eine Webadresse, löschen Sie diese. Dies ist einer der häufigen Gründe dafür, dass das Problem nach der Bereinigung wiederkehrt.
7. Überprüfen Sie die Autostart-Programme
Deaktivieren Sie im Autostart-Reiter des Task-Managers die Einträge, die Sie nicht kennen. Die meiste Schadsoftware nistet sich hier ein, um dauerhaft zu bleiben.
Wann reicht eine Bereinigung nicht aus?
In folgenden Fällen wird eine Neuinstallation empfohlen: wenn die Schadsoftware Administratorrechte erlangt hat, wenn ein Typ festgestellt wurde, der Bank- oder Passwortdaten stiehlt, wenn die Anzeichen nach der Bereinigung wiederkehren oder wenn Systemdateien beschädigt sind.
Wenn Sie sich für eine Formatierung entscheiden, die leicht übersehenen Sicherungsposten in unserem Ratgeber vor der Formatierung aufgelistet. Wichtiger Hinweis: Prüfen Sie die gesicherten Dateien, bevor Sie sie auf das neue System übertragen, andernfalls können Sie die Schadsoftware wieder einschleppen.
Praktische Wege zum Schutz
- Verschieben Sie Updates nicht. Die meiste Schadsoftware nutzt bereits geschlossene Sicherheitslücken; ein aktuelles System ist der wirksamste Schutz.
- Laden Sie Software von der Originalquelle herunter. Websites mit "Gratis-Download" sind der wichtigste Verbreitungsweg für unerwünschte Software.
- Verwenden Sie nur ein Antivirenprogramm. Ein zweiter Echtzeitschutz erhöht die Sicherheit nicht; er führt zu Konflikten.
- Achten Sie auf E-Mail-Anhänge. Rechnungen und Versandbenachrichtigungen, die Sie nicht erwartet haben, sind der häufigste Köder. Prüfen Sie die Absenderadresse wirklich.
- Aktivieren Sie die zweistufige Verifizierung. Sie verhindert den Zugriff auf Ihr Konto, selbst wenn Ihr Passwort gestohlen wird.
- Erstellen Sie regelmäßig Sicherungskopien. Dies ist die einzige echte Absicherung gegen Ransomware. Halten Sie die Sicherung nicht dauerhaft verbunden; ein angeschlossener Datenträger wird ebenfalls verschlüsselt.
Im Unternehmensbereich
In Unternehmen reicht der Schutz eines einzelnen Geräts nicht aus; Filterung auf Netzwerkebene, zentral verwalteter Endpunktschutz und eine regelmäßige Backup-Richtlinie müssen gemeinsam konzipiert werden. Bei Ransomware-Vorfällen bestimmt meist der Aktualitätsstand des Backups, wie groß der Geschäftsausfall ausfällt.
Bei der Bereinigung von Schadsoftware analysieren wir in unserem Servicebetrieb zunächst das System, sichern Ihre Daten und entscheiden anhand der Befunde zwischen Bereinigung und Formatierung. In Unternehmensumgebungen planen wir zudem die Firewall- und Backup-Konfiguration gemeinsam.